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                                    die Stunde der Marionetten, die im Zug der Schn%u00fcre luftige Kunstspr%u00fcnge vort%u00e4uschen. Kirchner weist ineiner aufregenden Bilderreihe auf die bedrohliche Erstarrung einer %u00fcbers%u00e4ttigten Gesellschaft hin, aufden %u201eAllt%u00e4glichen Wahnsinn%u201c, dem wir uns zunehmend ausliefern. %u201eNur der Erste z%u00e4hlt%u201c, hei%u00dft eines die,ser Bilder, das, jenseits jeder sportlichen Fairness, den Sieger pr%u00e4sentiert. Die Welt braucht Sieger und verherrlicht sie. Sie erfindet neue Verhei%u00dfungen, und neue Tr%u00e4ume werden vors%u00e4tzlich gen%u00e4hrt. An den %u00fcppiggedeckten Tafeln des Wohlstands aber kommt weder Freude noch genie%u00dferisches Wohlbefinden auf. Es istdie Banalit%u00e4t des nach allen Richtungen hin abgesicherten (und zunehmend %u00fcberwachten) Alltags, diel%u00e4hmt und ohne Erwartung in den kommenden Tag %u00fcberleitet. Alles ist bereits gesagt, was zu sagen uner,l%u00e4sslich schien, und der Fernseher bietet die Wiederholung der Wiederholung an. Das Abendland leidet ansich selbst.Es ist die Entzauberung der S%u00e4ttigung, die der K%u00fcnstler sichtbar zu machen sich vorgenommen hat. Seinekritische Auseinandersetzung mit unserer Gegenwart ist ein Warnschuss vor den Bug. Oder auch, wenigeremphatisch, ein Stolperstein gegen die Verniedlichung der Gegens%u00e4tze, gegen die Tr%u00e4gheit des Willens unddie Willk%u00fcr des Hungers. Nein %u2013 er erspart uns nicht den Blick auf die schier endlosen Z%u00fcge der Kriegsund Armutsfl%u00fcchtlinge, die sich in ein neues Gelobtes Land aufmachen und dort unerw%u00fcnscht sind. Ihre
                                
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